Lastprofilverfahren
Bilanzierung von Entnahmestellen ohne registrierende Lastgangmessung im synthetischen und im analytischen Lastprofilverfahren
RWE Rhein-Ruhr Verteilnetz GmbH wendet für die Bilanzierung von Entnahmestellen ohne registrierende Lastgangmessung das synthetische und das erweiterte analytische Lastprofilverfahren an. Dabei kommt innerhalb eines Gebietes jeweils einheitlich nur das synthetische oder das erweiterte analytische Verfahren zum Einsatz.
Derzeit findet das erweiterte analytische Lastprofilverfahren im Gebiet B (RheinEnergie AG) und im Gebiet H (SWK Energie GmbH) Anwendung. In allen anderen Gebieten der RWE Rhein-Ruhr Verteilnetz GmbH gilt das synthetische Lastprofilverfahren.
Im synthetischen und im erweiterten analytischen Lastprofilverfahren wird jeder Entnahmestelle ein synthetisches Lastprofil zugeordnet. Für Entnahmestellen in Haushalt, Gewerbe und Landwirtschaft verwendet RWE Rhein-Ruhr Verteilnetz GmbH dafür Standard-Lastprofile (SLP) nach VDEW. Sofern es sich um Entnahmestellen mit unterbrechbaren, temperaturabhängigen Verbrauchseinrichtungen (Elektrospeicherheizungen, Elektrowärmepumpen) handelt, kommen temperaturabhängige Lastprofile (TLP) zur Anwendung.
Die Anwendung der SLP und TLP ist für beide Lastprofilverfahren im Lieferanten-Rahmenvertrag der RWE Rhein-Ruhr Verteilnetz GmbH im Abschnitt „Zeitreihen zum Zwecke der Bilanzierung für Entnahmestellen ohne registrierende Lastgangmessung“ der Anlage „Allgemeine Bedingungen für den Stromnetzzugang“ erläutert.
Basisinformationen zu Lastprofilverfahren stellt der VDEW-Bericht „Lastprofilverfahren zur Belieferung und Abrechnung von Kleinkunden in Deutschland“* bereit.
Weitergehende Erläuterungen zum erweiterten analytischen Lastprofilverfahren sind der VDEW-Materialie „Umsetzung der analytischen Lastprofilverfahren“* zu entnehmen.
Bilanzierung von Entnahmestellen mit temperaturabhängigen Verbrauchseinrichtungen ohne registrierende Lastgangmessung im Lastprofilverfahren.
Wie vorstehend erläutert erfolgt die Bilanzierung von Entnahmestellen mit Elektrospeicherheizungen oder Elektrowärmepumpen ohne registrierende Lastgangmessung ebenfalls im Lastprofilverfahren. Da sich das Verbrauchsverhalten dieser Kundenanlagen mit der Außentemperatur ändert, kommen dafür geeignete TLP zum Einsatz. Zudem kann der Netzbetreiber den Energiebezug solcher Anlagen grundsätzlich unterbrechen, weshalb sie auch als unterbrechbare Verbrauchseinrichtungen (uVE) bezeichnet werden.
RWE Rhein-Ruhr Verteilnetz GmbH wendet hierfür das durch den Verband der Netzbetreiber (VDN) und das Energieressourcen-Institut e.V. der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus erarbeitete Verfahren an. Dieses Verfahren ist im VDN-Praxisleitfaden "Lastprofile für unterbrechbare Verbrauchseinrichtungen"* beschrieben.
Nachfolgend sind die weiteren zum Praxisleitfaden benötigten spezifischen Informationen und Festlegungen für das Netz der RWE Rhein-Ruhr Verteilnetz GmbH aufgeführt. Sie gelten für das synthetische und das erweiterte analytische Lastprofilverfahren gleichermaßen.
Temperaturabhängige Lastprofile
Im Unterschied zu den Standard-Lastprofilen für Haushalt, Gewerbe und Landwirtschaft berücksichtigen die temperaturabhängigen Lastprofile für Entnahmestellen mit unterbrechbaren Verbrauchseinrichtungen die Abhängigkeit des Wärmeenergiebedarfs von der Außentemperatur, die Aufladecharakteristiken der Speicher sowie die Freigabe- und Sperrzeiten des Netzbetreibers.
Die Temperaturabhängigkeit des elektrischen Lastverhaltens einer solchen Kundenanlage wird durch eine temperaturabhängige Lastprofilschar (Temperaturprofile) abgebildet. Eine Lastprofilschar enthält für einen Tag Temperaturprofile in 1°C-Schritten für den Bereich von -12°C bis +18°C. Für jede dieser Temperaturen ist also ein Profil mit dem Attribut Gradzahl [°C] hinterlegt. Zur Bilanzierung wird das Temperaturprofil, dessen Gradzahl der für die Entnahmestelle ermittelten äquivalenten Tagesmitteltemperatur Tä (s.u.) am nächsten liegt, herangezogen. Der niedrigste Differenzbetrag zwischen der äquivalenten Tagesmitteltemperatur und den Gradzahlen der Temperaturprofile bestimmt das zu verwendende Lastprofil.
Ist der Differenzbetrag bei einer äquivalenten Tagesmitteltemperatur der Entnahmestelle für die Gradzahlen zweier Temperaturprofile der Lastprofilschar gleich, so wird das Temperaturprofil für die wärmere Temperatur verwendet. Beispiele:
- Äquivalente Tagesmitteltemperatur = 1,5°C → Verwendetes Temperaturprofil = 2°C
- Äquivalente Tagesmitteltemperatur = -1,5°C → Verwendetes Temperaturprofil = -1°C
Klimazonen
Zur Abbildung regionaler Temperaturdifferenzen ist das Netzgebiet in Klimazonen unterteilt. Innerhalb einer Klimazone wird für alle dieser Klimazone zugeordneten Entnahmestellen dasselbe Temperaturverhalten angenommen. Die Zuordnung einer bestimmten Entnahmestelle zu einer Klimazone erfolgt über die Postleitzahl des Lieferortes. Die Tagesmitteltemperatur Tm einer Klimazone ist das arithmetische Mittel der von der zugehörigen Messstelle erfassten 24 Stundenwerte. Die historischen Tagesmitteltemperaturen der Klimazonen des Netzgebietes werden dem Lieferanten auf der Internetseite des Netzbetreibers zeitnah zum Abruf zur Verfügung gestellt.
Klimazonen RWE Rhein-Ruhr Verteilnetz GmbH
Tagesmitteltemperaturen seit 01.10.1999
Äquivalente Tagesmitteltemperatur
Die äquivalente Tagesmitteltemperatur Tä ist eine Mehrtagesmitteltemperatur für den Liefertag d. Sie berücksichtigt den Einfluss der Temperaturen vergangener Tage auf den Liefertag durch exponentielle Mittelung über die Tagesmitteltemperaturen Tm des Liefertages und der 3 Vortage:
Tä(d) = 0,5*Tm(d) + 0,3*Tm(d-1) + 0,15*Tm(d-2) + 0,05*Tm(d-3).
Bezugstemperatur
Die Bezugstemperatur TBEZUG ist je Klimazone definiert. Sie stellt den Temperaturwert dar, ab dem keine Heizenergie mehr benötigt wird. Für alle Klimazonen gilt einheitlich:
TBEZUG = +18°C.
Begrenzungskonstante
Die Begrenzungskonstante K ist je Klimazone definiert. Sie kann den Wert 0 oder 1 annehmen. Wird die Begrenzungskonstante zu K = 0 gesetzt, so ist oberhalb der Bezugstemperatur TBEZUG keine elektrische Energie einzuspeisen. Erhält die Begrenzungskonstante hingegen den Wert K = 1, so wird auch oberhalb der Bezugstemperatur ein Grund-Energiebedarf für die temperaturabhängigen Verbrauchseinrichtungen unterstellt. Für alle Klimazonen gilt einheitlich:
K = 1.
Temperaturmaßzahl
Die Temperaturmaßzahl TMZ [K] für einen Tag ergibt sich als Maximum der Begrenzungskonstante K und der Differenz zwischen der Bezugstemperatur TBEZUG und der äquivalenten Tagesmitteltemperatur Tä der maßgeblichen Temperaturmessstelle:
TMZ = Max (TBEZUG – Tä, K).
Die für Anlagen mit temperaturabhängigem Verbrauchsverhalten aufgewendete Energie nimmt mit wachsender TMZ zu.
Spezifische elektrische Arbeit
Die spezifische elektrische Arbeit a-1 [kWh/K] an der Entnahmestelle beschreibt das kundenindividuelle Verbrauchsverhalten und ergibt sich aus der Division der im Ablesezeitraum entnommenen elektrischen Arbeit durch die Summe der Temperaturmaßzahlen dieses Zeitraums. Ein Verbrauchswert, der sich über einen Ablesezeitraum mit geringeren Außentemperaturen ergibt, bedeutet für diese Verbrauchseinrichtung eine geringere spezifische Arbeit, als es mit demselben Verbrauchswert bei Vorliegen höherer Außentemperaturen der Fall gewesen wäre.
Den Wert der spezifischen elektrischen Arbeit der Kundenanlagen mit temperaturabhängigem Verbrauchsverhalten legt RWE Rhein-Ruhr Verteilnetz GmbH initial fest. Er kann nach Ermittlung des tatsächlichen Verbrauchswertes oder auf Grund einer Änderungsmeldung des Lieferanten mit positivem Prüfergebnis angepasst werden. Eine durch RWE Rhein-Ruhr Verteilnetz GmbH veranlasste Anpassung wird dem Lieferanten frist- und formgerecht (gem. GPKE - BK6-06-009) vor Wirksamkeit des neuen Wertes elektronisch mitgeteilt.
Anwendungsbereich
Die Anwendung des TLP-Verfahrens für Entnahmestellen mit temperaturabhängigem Verbrauchsverhalten am Niederspannungsnetz der RWE Rhein-Ruhr Verteilnetz GmbH unterliegt keiner Beschränkung hinsichtlich der maximalen Leistung und Jahresarbeit, d.h. die SLP-Anwendungsgrenze von 100.000 kWh/a gilt nicht.
* zu beziehen bei BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.